Der Stadtteil Saline, heute ein kleines Dorf wenige Kilometer von Volterra entfernt, verdankt seinen Namen dem Salzabbau, der hier seit der Antike bekannt ist. Bereits die Etrusker, das Urvolk der Toskana, das dieser Region seinen unverwechselbaren Charakter verlieh, nutzten die natürlichen Solequellen dieses Tals.
Etrusker, Römer und bis ins Mittelalter folgten ihnen alle: Das Salz wurde über die sogenannte „Via del Sale” (Salzstraße) in weit entfernte Gebiete und Länder transportiert, ein wertvolles Handelsgut, das in der Antike oft mit Gold aufgewogen wurde.
Der Granduca di Toscana ließ hier später einen der ersten Industriebetriebe Italiens errichten. Das Gelände war dabei bemerkenswert fortschrittlich: Es gab einen Kindergarten und eine Schule, eine Krankenstation und sogar eine Geburtsstation. Die Frauen, die in der Fabrik arbeiteten, konnten so direkt nach dem Mutterschutz wieder einsteigen. Für die damalige Zeit eine erstaunlich moderne Lösung.
Da Salz lange einer staatlichen Steuer unterlag, wurden zeitweise auch Zigaretten in der Fabrik hergestellt. Der Tabak kam aus der Fabrik in Lucca nach Saline, wo die Marke MS (Monopolio di Stato, staatliches Monopol) gedreht und verpackt wurde.
Außerdem stellte man hier Chinin her, ein Medikament zur Behandlung von Malaria. Das mag überraschen, aber die Gegend um Saline war bis in die 1950er Jahre tatsächlich Malariagebiet. Die Tabletten kosteten damals ein Drittel bis die Hälfte eines Arbeiterlohns. Die Angestellten der Fabrik erhielten sie, wie alle anderen Medikamente auch, kostenlos.
Das beeindruckendste Gebäude des Komplexes wurde vom Architekten Pier Luigi Nervi (1891–1979) entworfen, einem der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts, der mit Bauten in aller Welt in die Geschichte der modernen Architektur einging. In seiner großen Halle, bekannt für die spektakuläre „Salzfall”, einen kaskadierenden Wasserfall aus Salzkristallen, finden heute Theateraufführungen und Konzerte statt.
2014 wurde die Saline von der Familie Locatelli übernommen, die seit 1985 in der Nähe von Bergamo Meersalz verpackt. Seitdem wurde die Produktion ausgebaut, der Betrieb für Besucher geöffnet und es wird auch Bier gebraut, mit und ohne Salz.
Das Salz aus Volterra gilt übrigens als das reinste Italiens, mit einem Reinheitsgrad von 99,99 %.
Praktische Informationen für Besucher: Führungen werden auch auf Englisch und Deutsch angeboten und kosten 7 € (Stand 2026) bzw. 15 € mit Bierverkostung. Eine Voranmeldung ist erforderlich. 🌐 www.locatellisaline.it (auf Italienisch und Englisch)
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