Wenn Sie die Toskana im Winter besuchen, gehört der Palio di Buti zu den authentischsten Veranstaltungen.
Der Palio di Buti findet jedes Jahr am Sonntag nach dem 17. Januar statt – rund um den Gedenktag des Heiligen Antonio Abate, des Schutzpatrons der Tiere.
Doch was ist eigentlich ein Palio?
Ein Palio ist ein traditioneller Wettkampf zwischen verschiedenen Stadtvierteln – den sogenannten Contrade. Meist handelt es sich um ein Pferderennen, doch im Mittelpunkt stehen Identität, Zusammenhalt, Stolz und Tradition. Jede Contrada besitzt ihre eigenen Farben und Symbole sowie eine starke Gemeinschaft. Der Sieger erhält den „Cencio“ – ein kunstvoll bemaltes Tuch, das jedes Jahr von einem anderen Künstler gestaltet wird und als Ehrenpreis gilt.
In Buti gibt es sieben Contrade, die jeweils einer Kirche zugeordnet sind: Ascensione, La Croce, Pievania, San Francesco, San Michele, San Rocco und San Nicolao.
Historisch gesehen ist der Palio in seiner heutigen Form relativ jung. Bereits seit dem 17. Jahrhundert wurden am Tag des Heiligen Antonio Abate die Tiere der Umgebung gesegnet. Am Ende des Tages veranstalteten die Pferdebesitzer ein Rennen – eine Tradition, die sich aus dem religiösen Brauch entwickelte.
Seit 1961 wird der Palio in seiner heutigen Struktur ausgetragen: Die Contrade setzen keine lokalen Pferde mehr ein, sondern engagieren professionelle Pferde und Reiter, je nach finanziellen Möglichkeiten. Dadurch ist der sportliche Ehrgeiz noch stärker geworden.
Die Feierlichkeiten beginnen zwei Wochen vor dem Rennen mit einem offiziellen Abendessen der Vorsitzenden der Contrade. Am darauffolgenden Sonntag bringt die im Vorjahr siegreiche Contrada nach der Messe um 11 Uhr den Cencio zur Kirche, und die Startreihenfolge wird ausgelost.
Von da an beginnt eine Zeit voller religiöser und weltlicher Feste. Jeden Abend finden nach der Messe große gemeinsame Abendessen statt. Die Contrade versuchen sich gegenseitig zu übertreffen – besonders kulinarisch. Ein zentrales Gericht ist die „Trippa“, ein in der Toskana sehr beliebtes Pansengericht.
Am Abend vor dem Palio feiern alle Contrade gemeinsam auf dem Hauptplatz des Dorfes.
Der Sonntag beginnt früh: Bereits um 7 Uhr morgens werden Trippa und Rotwein serviert – eine gesellige und traditionsreiche Einstimmung auf den Tag.
Ab 10.30 Uhr ziehen historische Umzüge mit Trommlern und Fahnenschwingern durch die Straßen. Anschließend werden Pferde und Reiter gesegnet.
Um 14.45 Uhr startet das erste Rennen. Die Strecke ist etwa 800 Meter lang und führt leicht bergauf.
Insgesamt gibt es vier Rennen mit jeweils drei Pferden:
- Im ersten und zweiten Rennen treten jeweils drei Contrade gegeneinander an.
- Im dritten Rennen startet die siebte Contrada, der sogenannte „Signorino“, zusammen mit den beiden Zweitplatzierten der ersten beiden Rennen.
- Im vierten und entscheidenden Lauf treten die Sieger der vorherigen Rennen gegeneinander an.
Der Start ist streng geregelt und auf 20 Minuten begrenzt. Die drei Pferde müssen nebeneinanderstehen und nach vorne schauen – was sich oft als schwierig erweist. Gelingt es nicht, sie korrekt aufzustellen, wird nach Ablauf der Zeit dennoch gestartet
Da es im Januar früh dunkel wird, endet das letzte Rennen spätestens kurz nach 17 Uhr.
Der Palio di Buti ist weit mehr als ein Pferderennen – er ist lebendige Tradition, gelebte Gemeinschaft und ein Ausdruck des lokalen Stolzes, der das ganze Dorf jedes Jahr aufs Neue verbindet.
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